Jagdhornmusik, Quo Vadis? - Stilrichtungen

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Müsste ich sagen. welchem Tier mein  Parforcehorn am ehesten ähnelt, würde ich mich für das Chamäleon entscheiden. Man kan einmal mit ihm noch sehr weit entfernt deutliche Signale senden, andererseits ihm aber auch ungemein schmeichelnde und leise Töne entlocken.

Dieser Artikel soll zwei Seiten  diskutieren

1) Was ist Jagdmusik
2) Was kann man mit dem Parforcehorn musikalisch machen

Ausgehend von der Inspiration zur Zeit Ludwig des XiV besonders durch den Hofkapellmeister Marquis de Dampierre hat sich die Musik in den verschiedenen Ländern Europas sehr unterschiedlich entwickelt, da sie zunehmend durch die jeweilige Landeskultur beinflusst wurde.

Versucht man eine Einteilung durchzuführen könnte man vielleicht folgende Richtungen benennen:

Die französische Jagdfanfare:

Hier findet das Horn seine native Bestimmung durch den Einsatz bei der Jagd. Die Fanfare ist primär ein akustisches Signal und war notwendig, weil die Jagd ja ohne Sichtkontakt "par ce foret" (vulgo Parforce) "durch den Wald" stattfand. Heute,  in den Zeiten Der Elektronik  übernehmen Handys oder Walky Talkys diese Funktion.

Das ist auch vermutlich der Grund  warum sich in England bei der Schleppjagd in der offenen Flur, wo man sich genseitig sah, nie eine eigene Jagdmusik entwicklete.

Bestimmte Situationen, wie z.B der Sichtkontakt mit dem gehetzten Stück  "La Vue" wurden Zuschauern (Suiveurs), Jägern und dem Jagdherren mit gemeinhin bekannten Signalen wieder gegeben. Gerade die Bekanntheit der Signale bei den Suiveurs erklärt die beis heute ungebrochene Popularität der französischen Folklore. Durch Wiederholungen des Signales durch andere berittene Bläser war ähnlich wie bei einem Signalfeuer sehr schnell die ganze Jagdgesellschaft weiträumig  über die aktuelle Situation z.B "Hallali, der Hirsch ist gestreckt",  informiert.

Musikalisch umgesetzt bedeutet das Harzigkeit, Lautheit, einen 6/8 Takt, der den Galopp des Pferdes imitiert und spezielle musikalische Stilelemente wie (Tayaut) die den  "Geschmack" von Jagd, Wald, Hatz, Hunden und Schweiss erkennen lassen. Man bezeichnet diese Elemente als "Ton de vénerie,  als "Jagdmusikcharakter). Siehe dazu meine Ausführungen zu der französischen Jagdfanfare.

Abend, bei der Soirée, dem Schüsseltreiben findet  man Musik dieser Art in Form von mehrstimmiger französischer Jagdmusik Meist sind es drei Stimmen, die mit 6-10 Bläsern besetzt sind, die die Musik ausformen, teils wird dazu gesungen und kleine Bravourstückchen zum Besten gegeben. Hier ist nun auch Platz für Stopftöne, für Piano (Radouci)passagen andere Takte wie Polka, Walzer (Valse), Pas Rédoublé (Galopp).

Die mehrstimmigen Stücke, auch Fantaisies genannt,  dienen dem Zweck der Kurzweile und der Unterhaltung. Sie haben eine geteilten Basslinie und sind daher dann 4 bis 5 stimmig. Die Jagdsignale und Erlebnisse des jagdlichen Vormittags sind in irgendeiner Form eingearbeitet, daher haben die Stücke eigentlich immer einen Fanfarenteil (der dann bewusst auch im Veneriestil geblasen wird). Oft stellen Sie Würdigungen des Komponisten an Jagdherren oder Örtlichkeiten dar , daher auch der Titel z.B "Souvenir de Normandie",  Erinnerung an die Jagd in der Normandie .

 


 

* Die Kunst des Hornblasens war sehr schnell beim Adel sehr beliebt, selbst Könige konnten sich ihr nicht entziehen. So fand die Musik schnell Einzug an die Fürstenhöfe mit seinem Glanz und Glamour. Es entwickelte sich die barocke Art zu spielen.

Man darf dabei nicht vergessen, dass die historischen Hörner baulich völlig anders beschaffen waren als die Instrumente der Neuzeit. Es waren wohl eng mensurierte Hörner mit Kesselmundstücken. Gespielt wurde hauptsächlich in der oberen Oktave, wo die Naturtöne sehr eng beeinander liegen, der sogenannten "Clarinlage".

Die Unstimmigkeiten der Töne wurden dabei mit den Lippen ausgeglichen. Der Charakter des Tones ist elegant, festlich, teils majestätisch strahlend, hat "Glanz".

Wie so üblich im Barock ist sehr viel Platz für Verzierungen wie Vor-, Nachschläge und Lippentriller. Diese Verzierungen sind übrigens nicht zwingend notiert, sondern ergeben sich aus dem allgemeinen Umgamg mit der Musik.


Als frühes Werk ist mit "La Choisy" von Michael Corette bekannt, es gibt aber auch Trios von Zwierzina und von  G.F Haendel (Air I, II, III siehe Wilhelm Bruns alte Notenhefte). In wie weit es sich bei den Stücken aber noch um Jagdmusik oder eher doch  um höfische Musik handelt kann ich an dieser Stelle nicht bestimmen, mir geht es nur darum, dass sie auf dem Horn geblasen wurden.

 


 

 

Spätere französische Stilrichtung    Sombrun, Tyndare, Rochard, Cantin, Laugé

Neuzeitlichere Stücke  Chalmel

Aktuelle französische Folklore

 

Böhmische Jagdmusik,  böhmische Jagdmusik am Wiener Hof

Tscheschische Jagdmusik  Dyk

 


 

Früher kaiserlicher Wiener Stil (Karl der Vi)

Hier liegt ein Dilemma vor, da aus dieser Zeit (Kaiser Karl VI (1685-1740) keine Literatur mehr erhalten ist. Man weiss zwar, dass Graf Anton von Sporck (1662- 1738) sein musiklaischer Lehrmeister war, so wird auch er die Aria Sancti Huberti, die Hymne des Sporck´schen Hubertusordens geblasen haben, aber mehr wissen wir nicht.

Nach dieser Zeit findet man den Niedergang der Prunkjagd. Sie wird nur noch vereinzelt in adeligen Häusern und am Wiener Kaiserhof gepflegt, dann aber immer mehr im Rahmen der Revolutionen und dem Aufkeimen des Bürgerlichen azurückgedrängt. Es wird allerdings Tradition, dass sich eine Gruppe von Jägern weiterhin musikalisch beschäftigt. Diese Gruppe in Wien formiert sich um das Örtchen Lainz beim Tiergarten. Man bezeichnet das als "frühe Lainzer" Jagdmusik.

Die musikalische Leitung geht immer von der Philharmonie aus, meist ist es der erste Hornsolist der Oper. Zu der Zeit sind es Namen wie E.Kenesch, der 1.Solist von Johann Strauß oder Lanner.

Die Musik wird im Freien präsentiert und setzt sich parallel zur politischen Überwerfung mit Frankreich von der französischen Musik, nach der Zeit Bonapartes, ab. Die Parforcejagdten werden noch bis zum Ende des 18 Jahrhunderts durchgeführt, sind aber oft nur noch reine Schaustellungen und keine praktizierte Jagd mehr.

Leider sind die Zeugnisse aus dieser Zeit auch verloren gegangen, folglich ist es kaum möglich, Aussagen über die Stilistischen Elemente dieser Zeit zu machen.

Es lässt sich aber aus dem Instrumentenbau zu der Zeit einiges herleiten, man geht weg von dem eng mensurierten Horn und sucht eher den Waldhorncharakter, man spielt  "Cantabil". Dies ist möglich durch Entwicklung des Leichamschneider Hornes mit weiter Mensur- und der Verwendung von Trichtermundstücken. Das Instrument wird häufig mit dem Ausdruck der menschlichen Stimme verglichen, von  hell schmetternd bis dunkel tiefgründig klingend. Die neue Stimmung findet bald Einzug in die romantische Musik der großen zeitgenössischen Komponisten.

An jagdlicher Literatur ist aus dem 18 Jahrhundert ein

Aufzug zu einer Jägerhochzeit aus Pinzgau/Salzburg

Jägerische Intrada aus Wandhofen /Ybbs

Jägerische Volksmusik

und die Durchführung von St Eustachiusmessen (es existiert auch eine Eustachius-Bruderschaft ) offenbar schon aus dem Wien von 1692

 

 

 

 


Eine neue Epoche wird durch Schantl eingeleitet. Zunächst sind es die Fanfaren des Makart Festzuges

Schantl

Wiener romantischer Stil      Wunderer, Karl Stiegler, Freiberg

 

 

Neue österreichische Jagdmusik

 


 

Deutsche Jagdmusik auf dem Es Horn   Reinhold Stief

Natürlich war es in Deutschland, auch in Schweiz und Österreich Reinhold Stief aus Ladenburg, der die Jagdmusik nach dem zweiten Weltkrieg wieder neu begründete. Organisiert im DJV (Deutschen Jagdverband) mit über 40000 Mitgliedern entstehen völlig neue Akzente. Eine besondere Leistung ist die Herausgabe der Reihe "Handbuch der Jagdmusik" in neun Bänden und die Organisation der Bundes- und Landesbläserwettbewerben mit eigenen Richtlinien.

Im Band 9 "Die Jagdhornbläsergruppe" wird auf Seite 36 der gewünschte "deutsche" musikalische Stil auch genau definiert,  ich zitiere:

Parforcehornton

Wenn nach einigen Probestunden die Treffsicherheit der Bläser zu wachsen beginnt, gilt es, sich mit dem besonderen Klangbild des Parforcehorns zu beschäftigen. Angestrebt wird ein besonderer Parforcehornton, der sich vom Ton des Konzertwaldhorns unterscheidet. Er soll im Forte kräftig, obertonreich, auch etwas rauh klingen, aber dennoch im Piano zart und weich ansprechen. Vorraussetzung dazu ist ein Horn mit einer Anfangsmensur am Mundstück von 7-8 mm Durchmesser mit dann folgender konischer Ausweitung. Hörner mit einer weiteren Anfangsmensur klingen grob und dumpf.

Auch wenn kein Bindebogen vorhanden ist, sollen Tonfolgen auf dem Parfocehorn einzeln angestoßen und dennoch verbunden geblasen werden. Zwischen den Tönen sollen also keine Minimalpausen entstehen. Dies wird erreicht, indem ein Ton bis unmittelbar vor dem nächsten Ton ausgehalten und der neue Ton nur mit der Zunge neu angestoßen wird. Diese Technik der Tongebung wird besonders bei den "Glocken" in der Hubertusmesse deutlich, deshalb werden die auf diese Weise gebildeten Töne auch "Glockentöne" genannt.

Während Blechbläser im Sinnfonieorchester, im Waldhornquartett oder in anderen Orchesterformationen (Ausnahme Massenorchester), nur solistisch besetzt sind, hat die deutsche Parforehorngruppe die Stimmen immer mehrfach besetzt, das heißt wie beim Gesangs-Chor übernehmen mehrere Bläser die gleiche Stimme und blasen gemeinsam die gleichen Töne, sie musizieren "chorisch". (Der Begriff "Chor" bezeichnet eine Musikgruppe, bei der mehrere Musiker in einer Stimme die gleichen Noten singen oder spielen, der Begriff "Korps" ist eine militärische Bezeichnung für eine Personen-Gruppe oder -Abteilung). Durch die chorische Besetzung enstehen, selbst bei sauberster gemeinsamer Intonation, minimale Unebenheiten in der Tonhöhe oder Tondauer, so daß ein gewisses Flimmern der Töne zu hören ist. Der Zuhörer kann "solistisch" und "chorisch" genau unterscheiden. Durch die chorische Besetzung (meist dreifach) hat eine Parforcehorngruppe bei guter Kondition die Möglichkeit, ein sehr große Bandbreite in der Dynamik, vom Piano bis zum Obertonbereich Schmetterton, zu erreichen.

Der chorische Hörnerklang ist deshalb eine weitere Besonderheit der Parforcehorngruppe und wird als einmalige Klangerscheinung von Laien und Fachleuten wahrgenommen und erkannt. Innerhalb der Jägerorganisation ist die deutsche Parforcehornmusik fast druchweg eine Gruppen-Musik, die meist auch über Jahre hinweg durch kameradschaftlichen Zusammenhalt einen gemeinsamen Klangkörper von einer in sich geschlossenen Einheit bildet. Das Klangbild rundet sich noch mehr ab, wenn die Bläsergruppe in symetrischer Aufstellung, mit dem Gesicht zu den Zuhörern, von einem Hintergrund bläst, der einen leichten Widerhall bringt (Hochwald, Mauer, Schloßhof). Es gibt keine Dirigenten, jedoch kann ein Bläser in der Formation durch geringe Bewegungen einige Zeichen geben.

Die Literatur Stiefs besteht sehr häufig aus Anleihen, die er dann akribisch auf das Parforcehorn umgeschrieben hat, vorwiegend als vierstimmiger Satz. So ist nicht zu übersehen, dass für Band 5 "Fanfaren Lieder und Jagdstücke" die Ausgabe "Waldhorn-Duette verschiedener Meister des 18 und 19. Jahrhunderts" von Kurt Janetzky Pate gestanden hat.

Die Hubertusmesse in Es (Band 4) ist ein, Stiefs Worten nach "entzickte" Ausgabe der Cantinmesse mit dem Kyrie von Rochard.

Das Schaffen und Lebenswerk  Stiefs ist eigentlich gar nicht genug zu würdigen, er führte auch  ein ausgefülltes Leben für die Bläserei.

 


 

neben Stief muss natürlich auch das Wirken von Prof Neuhaus Erwähnung finden

 


 

 

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