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Die französische Fanfare - Teil 2 - Der mehrstimmige Satz

Die äußere Form einer Fanfare:

 

Fanfaren sind  meist symmetrisch aufgebaut A–B-A. oder auch Refrain-Couplet-Refrain.

Dabei wird noch einmal in"Repliquen"  A1/A2 und B1/B2 unterteilt. Man kann das an nebenstehender  Grafik von „Les Honneurs“ erkennen: Der Teil A besteht aus einem Durchlauf (Phrase oder Reprise)  A1 mit 4-8 Achteltriolen und endet mit der Fermate. Diese stellt einen ersten Ruhepunkt dar  (Point d´orgue). Er  dient zum Atemholen  und steht in der Dominante. Die Dominante leitet zur Auflösung  A2 hin, also wieder 4- 8 Figuren  mit der Tonika am Ende, dann wieder Fermate. Damit ist das Thema beendet. Teil B1 und B2 wird thematisch unter Spannung  gesetzt (kontrapunktiert) und löst sich in dem folgenden Teil A1 und A2 wieder auf.

 

Mehrstimmige Fanfaren:

Es gibt ganz bestimmte Regeln, die so beschaffen sind, dass man aus jeder einstimmigen Fanfare einen ganzen drei- oder vierstimmigen  Satz machen kann. Es ist eine nebenbei eine sehr schöne Übung für eine Parforcehorngruppe, wen man sich aus der französischen Literatur eine der Gruppe bis dahin  unbekannte Fanfare heraussucht und bearbeitet. Es fördert das Verständnis für die französische Kultur, das Zusammenspiel  der Gruppe und die Fähigkeit zur Improvisation.

Man mag eins der Standardwerke zum Beispiel die Methode Complète von  Tyndare Gruyer , den  Alexis Sombrun  oder eines der älteren Werke (Thiberge, Tellier) hernehmen. In dem Fall muss man sich  auch keine Gedanken über eine Verletzung der Urheberrechte machen, weil diese Stücke mittlerweile ins Volksgut übergegangen sind. Nehmen Sie einfach eine der alten Schulen, die mittlerweile als .pdf aus der französischen Nationalbibliothek Gallika  online verfügbar sind.

http://gallica.bnf.fr/services/engine/search/sru?operation=searchRetrieve&version=1.2&query=%28gallica%20all%20%22trompe%20de%20chasse%22%29&suggest=0

 

Im Tellier  „Nouveau Manuel du Chasseur“ ist die  unsere Ehrenfanfare von  Marquis d´Estival 1842 überliefert, diese nehmen wir nun mal als Vorlage.

Hier das Gleiche aus einer anderen Quelle

(Boursier de la Roche 1930)

mit Text und der zweiten Stimme

 

Fanfare Sicilia

 

Übrigens, in Frankreich liebt man schöne Dekors, in den die Fanfaren niedergeschrieben sind. Ein Beispiel aus dem Internet "Sicilia" der A.D.T.P.

 

 


 

Überliefert ist wie immer nur die erste Stimme, der "Canthus firmus" den Rest muss man sich konstruieren.

Die Konstruktion der Stimmen erfolgt nach traditionellen Regeln der Harmonielehre, Kadenz " frz "Cadence"

Erst verteilt man die Aufgaben: Die erste Stimme macht sich Gedanken über die Melodieführung, die Phrasierung die Betonungen und stilistische Elemente wie Roulés und Tayauts (s.u.) . Die Erste ist zwar die führende Stimme aber auch stets in der Pflicht, immer  Rücksicht auf die unteren Stimmen zu nehmen und sie nicht zu sehr zu dominieren.

Dann wird die Melodie in der ersten Stimme von allen Stimmen gemeinsam gesungen!, bis die Fanfare "sitzt". Nur durch das gemeinsame Singen kann man sich stilistische Elemente, Rhythmusverschiebungen und eine gemeinsame Agogik einprägen und verinnerlichen. Nicht jeder Trompebläser hat Notenkenntnisse, meiner Erfahrung nach sind es sogar die allerwenigsten deswegen ist das gemeinsame Singen besonders wichtig.

Somit ist die zweite Stimme schon fixiert. Sie folgt strikt und unerschütterlich der ersten in den Hornquinten  der ersten Stimme als  “Obligato“ , muss die selben Verzierungen ausführen, die gleiche Dynamik und Timbre haben. In der Musiktheorie spricht man vom obligaten Accompagnement und einer "Homophonie"

Die zweite Stimme wird in den Hornquinten tiefer, allerdings beim tiefen Do, Mi,  Sol ( c0, e1 und g1) im Gleichklang geblasen, siehe Schema. Der zweite Hornist muss diese Hornquinten frei im Kopf haben und  jederzeit ohne große Überlegung  zu einer beliebigen Ersten Stimme blasen können.

Siehe dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Hornquinten

Die zweite Stimme dient somit der harmonischen Erweiterung und Absicherung der ersten Stimme. Bei schwierigen Tönen wie z.B. bei dem NT 11 “falschen Fa “ (f2) gleicht sie mit ihrem Akkord, in dem Falle mit dem NT 9 Re (d2)  den gewöhnungsbedürftigen Akkord aus. Die zweite „macht erst die erste Stimme schön“. Man sollte das Zusammenspiel der beiden oberen Stimmen ständig in Duettformation üben, damit man sich blind aufeinander verlassen kann. Die Hornqunten müssen in Fleisch und Blut übergehen. Am besten übt man das durch Dazusingen der zweiten Stimme, ohne die  Noten vor sich zu haben.

Anmerkung meine persönliche Meinung: Warum muss die zweite Stimme die erste Stimme als willenlos folgsame Sklavin strikt in den Hornquinten zu begleiten ? Die Musik kann auch einen polyphonen Charakter annehmen Vielmehr kann sie ihr mal  auch energisch widersprechen, oder sie auch bestätigen und mal schlicht bei ihr sein. Geht die erste Stimme nach oben, kann die zweite ihrem Lauf in die Höhe folgen aber auch auf der Linie bleiben und sogar sich nach unten bewegen. Sie braucht nicht die selbe Rhythmik haben, sie kann auf den Noten liegen bleiben und sich sogar synkopisch verhalten. Sie kann auch zeitweise das Thema übernehmen, quasi als zweite Erste und beispielswiese in einer Reprise mit ihrem eigenem Timbre und Individualität aufwarten. Es kann so sein, dass die zweite Stimme auch eine Reihe  eine Reihe von Stopftönen beherrschen und in vollkommener Harmonie zur  Ersten klingen muss (Andante religioso, Choral, Molltonarten). Es sind in dieser Ansicht auch erste Ansätze in der Literatur vor allem bei bei Tyndare und Rochard erkennbar, leider hat sich das aber nicht bis in die Moderne durchsetzen können.

 

Es versteht sich von selbst, dass Harmonie beim Spiel nur durch richtiges Einstimmen der Hörner (s.d.) erreicht werden kann.


 

Die Tiefbass setzt  dann die Akkorde an den Haltepunkten. Entweder Dominante in G in der ersten , oder Tonika in C im der zweiten Phrase.  

Der Basse Grave  oder Tiefbass bildet das Fundament des Satzes. Bei jeder Komposition wird zuerst die Melodiestimme,  und dann gleich der Tief-Bass gesetzt. Er markiert, wie in der Harmoniemusik die Tuba,  die 1 und die 2. Stimme. Er definiert die Haltepunkte und damit die musikalische Phrasierung des Stückes. Beide Basselemente, Légère und Grave müssen in einem Bogen zusammenfinden, der den Charakter des Stückes sowohl rhythmisch wie harmonisch stützt. Es ist übrigens für ihn selbstverständlich dass er die Noten im Bassschlüssel lesen kann.

 

Der melodische Bass, Basse légère, der "Libero" untermalt in eigener Improvisation die ganze Stimme, setzt Akzente, verhält sich gegenläufig oder betont,  je  nach Belieben.

Der Bass ist eigentlich die interessanteste Stimme in der Besetzung aus zwei Gründen. Einmal hat sie den höchsten Umfang über zweieinhalb Oktaven und zweitens  ist sie der Libero im Spiel. Die Bassstimme ist innerhalb der Grenzen der „Cadence“ (Harmonielehre) frei und kann jederzeit improvisieren. Sie kann sich ruhig verhalten oder mit heftigen Achtel  gerade zu den Vierteln und punktierten Vierteln reizvolle Ausdrucksvarianten herbeirufen, besonders wenn er sich gegenläufig zur ersten Stimme verhält. Darüber hinaus kann der Bass durch kräftige Roulés oder auch durch markante Piqués ein ganzes Stück dominieren. Siehe dazu den Beitrag "Bassimprovisationen"

Wie sie gemerkt haben habe ich die dritte Stimme ausgelassen, weil sie klassisch in den Fanfaren  nicht vorhanden ist, Man könnte sie aber generieren wenn man sie als „Bougé“ (Stopfstimme) einsetzt und die Akkorde mit a1 und h1 ergänzt. Es ist allerdings bei Fanfaren nicht sehr üblich. In Deutschland bevorzugt man immer der "vierstimmigen Satz" daher wird häufig eine dritte Stimme dazugeschrieben.

 

Nach der Bearbeitung mag die Ehrenfanfare  im vierstimmigen Satz wie folgt aussehen:

Notenblatt siehe Anhang /attachment

Steckbrief Französische Fanfare

  • Bei einer Fanfare ist oft nur die erste Stimme überliefert. Die zweite Stimme ergibt sich aus den Hornquinten, der Bass kann sich nochmal in einen Tiefbass und melodischen Bass unterteilen (3+4 Stimme).
  • Das Tempo ist in etwa 100 bpm (90-110). Es wird nicht rallentiert.
  • Die Fanfare wird immer locker "légèrement" geblasen
  • Dynamikunterschiede sind bei den einfachen Fanfaren nicht erwünscht, die Dynamik ist durchgängig f bzw ff im Ton forté
  • Jagdlicher 6/8 Takt  (1 und 4 betont)  nur im Ton simple
  • Im Ton de Venerie,  Roule,Tayaut und andere Stilelemente ausgesprochenes  Rubato (s.u.)
  • Fanfaren haben eine einheitliche Form. A1 A2 B1 B2 A1 A2.
  • In jedem Teil findet sich zweimal ein Phrasierungsbogen, der in einer Expiration durchgeblasen wird und seinen Endpunkt in den Fermaten  (Dominante und Tonika) findet.
  • Die Fanfare wird im  vor Publikum im Ton de Vénérie präsentiert

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