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„Die Trompe Enchantée“ von Hubert Heinrich

Hubert Heinrich, der bedeutendste noch lebende Komponist von Jagdmusik und begnadete Sonneur führt in seinem Werk Grundlegendes zur Trompe auf. Ein lesenswerter Beitrag über den Stil und Klang der modernen Trompe. Das Werk hat neben dem schriftlichen Teil viele Stücke mit Orgelbegleitung (über 100 Seiten). Erhältlich über www.forum-jagdmusik.de.

Das Werk enthält neben vielen Fakten über die Geschichte der Trompe auch eine sehr deutliche Kritik..... besonders im Nachwort.

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Definition

Der „Radouci„ oder „Radou“, ein leise klingendes melodisches Thema, präsentiert sich in zahlreichen Facetten. Er kann langsam, lebhaft oder schnell, fröhlich oder traurig vorgetragen werden. Er kann sich in einem mittleren, oder aber auch in sehr großem Tonumfang bewegen.

Natürlich rief der Radouci eine ganze Palette von Vorschriften über die Art und Weise des Vortrages hervor, um dem Thema entsprechend dem Wunsch des Komponisten oder auch dem des Interpreten in verschiedener Form Ausdruck verleihen zu können.

Erinnert sei an die Empfehlungen bezüglich der Ausgestaltungsmöglichkeiten wie staccato, legato, accelerando, rallentando, die feinen Nuancen, die dem Stück Farben und Dynamik verleihen. Der Vortrag kann im Solo erfolgen, im Allgemeinen wird er aber von einer zweiten und einer Basstimme begleitet Diese Form des akkordischen Musizierens bezeichnet man als Homophonie. Jede Begleitstimme folgt parallel dem Cantus firmus. In diesem einfachen Fall ist zu berücksichtigen, dass die Gewichtung der ersten Stimme 50% des gesamten Volumens ausmacht. Alle Begleitstimmen bleiben eher gedämpft, Ausnahmen sind das Wechselgesang oder die wechselseitige Ablösung von Phrasen.

Ist der Aufbau des Musikstückes nicht homophon sondern polyphon, wird die Melodiestimme also nicht ständig von Terzen oder Quinten begleitet, sei es im Duo, Trio, Quartett, Quintett oder Sextett, werden alle Stimmen in gleicher Lautstärke gespielt. Die ist eine ganz andere Dimension des „Radouci“. Die Klugheit gebietet jedoch, polyphone Musik, sowie Stücke mit komplexer Harmonie und Rhythmik, Hornisten zu überlassen, die hierfür ausgebildet sind. Aus verschiedenen Gründen werden die Trompe-Bläser (Sonneurs) meist keine „echten“ Hornisten sein, schon wegen der permanenten Präsenz des Vibrato, ein wesentliches Element des Ton de Vénerie, welches (in diesem Fall) in Wirklichkeit aber einen Ton in zufälliger Höhe ergibt. Werden dahingegen die Töne ohne Veränderung ihrer Höhe durch das Vibrato erzeugt sprechen wir von Hornmusik, sei es in der Stimmung D, Es, F oder andere Tonarten.

Nur zur Erinnerung: Der Vortrag im Ton de Venerie erfolgt ausschließlich im Fortissimo, Solo und mit einem systematischen Vibrato. Die Phrasen beginnen mit einem “Hourrvari”, beinhalten diverse „Tayauts“ (spezielle Anstöße mit der Zunge) und bestimmte Bindungen, darunter den „Roulé“. Es ist eine nicht metrische Phrasierung der im 6/8 Takt geschriebenen Jagdmusik festzustellen. (Wir finden häufig eine Art des ziemlich betonten und zyklisch wiederkehrenden „Rubatos“ mit Ausdehnung der Dauer der betonten Note). Bei der Anwendung des Ton de Vénerie in der Jagdpraxis wird das Finale oft vermieden oder sehr gekürzt. Die Phrase selbst wird oft zerstückelt. Blasen zu Pferd ist eine sehr schwierige Disziplin, die aber jede „lyrische“ Komponente zerstört. Es muss in diesem Zusammenhang auch festgestellt werden, dass die Wiedergabe von zur Verständigung dienenden Signalen während der praktischen Jagdausübung oft nur grenzwertig der Notierung entsprechen. Es ist Brauch, dem Gefühl zu folgen. Das geht so weit, dass die Tonart D--Dur nicht mehr zu erkennen ist, das Thema abgekürzt wird oder die schriftlichen Quellen verändert werden. Die gleiche kleine Fanfare findet schließlich mehrere Möglichkeiten der Interpretation.

In den Bläsergruppen wird der Radouci-Part von festen Ensembles übernommen, die sich in der Darbietung abwechseln, um Werke einer gewissen Größe aufführen zu können. Diese Stücke, die „Große Fantasien“ genannt werden, haben eine Dauer von 3-6 Minuten in welchen „Grand tutti, fortissimo, mezzo forte, mezzo piano, pianissimo und piano pianissimo“, aufeinander folgen. Was den Rhythmus anbetrifft, so handelt es sich im Allgemeinen um den 3/4 - 4/4 - 6/4 - 3/8 - 6/8 - 9/8 - oder 12/8 - Takt.

 


Entstehung - Weiterentwicklung

Historisch betrachtet beruht die „Fanfare“ auf einem einfachen Prinzip der Barockmusik:
Refrain - Couplet - Refrain

Jede der drei Abschnitte teilt sich in zwei Halb-Phrasen. Wir finden zwei Varianten der Replique:

  1. Die Erste Halbphrase „mezzoforte“, die zweite als Erwiderung mehr „fortissimo“ oder
  2. Umgekehrt: Die erste Halbphrase „fortissimo“ und die zweite als Erwiderung „mezzoforte“.

Daraus ergab sich für die Trompe eine Form der Phrase in zwei dynamischen Stufen. Beispiele: Les pleurs du cerf (Die Tränen des Hirsches), Hommage aux Piqueux (Hommage an die_Piköre), Le Calme dans le soir (Die Stille am Abend). Heutzutage hat man die Praxis der „Replique“ fast aufgegeben, sehr zum Schaden einer Eleganz, die uns aus der Geschichte eigentlich übermittelt wurde.

Beim Radouci erzeugt der in regelmäßiger und systematischer Folge schwingende Ton der Trompe eine Monotonie und eine anfangs berührende Melancholie, führt aber bald zu einer Übersättigung für viele Musiker, die für viele Musiker unerträglich werden kann. Die historische Vorgabe, Fanfaren nur mit Terzen, Quinten oder Oktaven zu harmonisieren, förderte die Monotonie eines zu einfachen Radouci.

Seit Anfang des 20. Jh. wurde allmählich eine weitere Stimme zur Ersten, Zweiten und zum Bass hinzugefügt. Dies verlieh dem Ensemble nun eine größere musikalische Klangvielfalt. Diese neue Stimme brachte aber auch nur eine homophon genannte Musik hervor. (die Regeln sind allen allgemein bekannt). Dennoch war es ein Beitrag zur Vervollständigung der Akkorde, insbesondere durch Verwendung der „gestopften“ Töne (Töne, die auf dem Natur-Horn nicht offen geblasen werden können). Es handelt sich hauptsächlich um die Noten „a’“ und „h’“. (die Methode des Stopfens wurde von dem Hornisten der Dresdener Hofkapelle, Anton Joseph Hampel (1705-1771) entwickelt).

Um die 80-iger Jahre wollte man bestimmten Akkorden mehr Tiefe verleihen. Durch Überlagerung mit einem zweiten Trio im Abstand von einer oder zwei Oktaven erzielte man diese Erweiterung. So kann es sein, dass in einem Akkord gleichzeitig drei „C“ drei „E“ und drei „G“ erklingen können. Die Trompe verfügt insgesamt über 3 % Oktaven.

Parallel hierzu sehen wir auch eine Weiterentwicklung in der ersten Stimme, dem Cantus firmus: Die offenen Töne wurden mit den gestopften Tönen ergänzt, was offenkundig zu einer Bereicherung der Melodien beitrug. Allerdings war dabei eine gewisse Unterschiedlichkeit in Tonstärke und im Klang unvermeidlich. In jüngster Zeit ist man bestrebt, durch Korrektur bestimmter offener Töne die der Trompe eigene Naturtonskala der temperierten Stimmung anzugleichen, damit aber auch deren Ursprünglichkeit einzuschränken.

Das etwas zu tiefe eingestrichene E (E ’) wird durch vermehrten Einsatz des Luftdruckes angehoben. Das von Natur aus zu hohe zweigestrichene F (F '’) lässt sich durch Einführen der Hand in den Schallbecher nach unten korrigieren. Das zweigestrichene A (A’'), als Naturton zu tief, wird mit Erhöhung des Luftdrucks angehoben, um es letztendlich in eine „temperierte“ harmonische Tonleiter einzufügen.

Zu Gunsten der reinen Ästhetik des Radouci und seines tatsächlichen thematischen Potentials verlassen wir heute zunehmend das historische Konzept der Fanfare“. Der Weg ist offen für große Melodieführungen, die ihrerseits Interpreten erfordern, die neben ausgesprochenem Können und Technik auch noch über stählerne Lippen verfügen.

 


Das Thema „Radouci“ jenseits des Begriffes „Fanfare“

Auch der Aufbau der Fanfare tendiert dazu, sich subtileren Themen in der Melodie zuzuwenden. Die längere Aufführungsdauer erlaubt mehr Fantasie, abwechselndes Spiel der führenden Stimmen, Erweiterung der Begleitstimmen, neue Klangfarben in den zweiten Stimmen sowie eigene Melodieführungen in den Bass- und auch anderen Begleitstimmen.

Ein neuer Horizont tut sich auf. Er wird allen Ansprüchen und Regeln der musikalischen Gesetze gerecht.

  • Der Rahmen Refrain - Couplet - Refrain verliert an Bedeutung. Jedes der Themen geht über sein ursprüngliches Schema „Ruf“ und „Antwort“ hinaus.
  • Der Dialog zwischen den Stimmen gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Es wäre ein Gewinn, wenn wir die sowohl langweiligen wie melancholischen Wiederholungen, worüber sich Laien oft beklagen oder auch lächeln, überwinden würden.

Die Stimmung, welche der Komponist ausdrücken wollte, kann letztendlich vom Dirigenten nur realisiert werden, wenn er in der Lage ist, jedem seiner Musiker den tieferen Gehalt des Stückes zu vermitteln.

Den Zuhörer kann man nicht täuschen. Mit seiner intuitiven Sensibilität und Aufnahmefähigkeit versteht er sehr wohl die Emotion, die das Musikstück hervorrufen will. Nicht zu vergessen, dass das irrationale ergreifende Timbre der Trompe nahezu unerreicht ist. Diese besondere Klangfarbe ist es hauptsächlich, welche ihr das Interesse seitens der Musiker eingebracht hat, insbesondere das der Blechbläser.

 


Allgemeines Konzept der Struktur einer Gruppe

Im allgemeinen Sinne kann man von einer Gruppe sprechen, wenn diese aus mindestens sechs Bläsern besteht. Häufiger bestehen die guten Gruppen aus acht bis zwölf Bläsern, manchmal auch mehr. Dies bringt aber keinen wirklichen Vorteil. Üblicherweise wird eine Gruppe wie folgt zusammengestellt:

  • 4 erste Stimmen (Chant)
  • 3 zweite Stimmen
  • 1 dritte Stimme
  • 2 Bässe
  • 1 erste Stimme oder ein Duo speziell für „Radou“

Die erste und zweite Stimme Radouci kommt den Spezialisten auf diesem Gebiet zu, auf jeden Fall denen, die über die größten Fähigkeiten verfügen diese teilweise schwierigen Partien sensibel und gut zu blasen. Das Duo als Basis der Melodie, wird von einer Bass-Stimme begleitet, sowie von einer bis zu drei weiteren Stimmen, die auch „füllende“ Stimmen genannt werden.

In Frankreich gibt es vielleicht 12 000 Trompebläser sehr unterschiedlichen Niveaus. Weniger als 200 wagen es, sich mit der Sparte Radouci auseinanderzusetzen und lediglich eine Handvoll sind wirkliche Virtuosen.

Das Thema Radouci wird auch deshalb vernachlässigt, weil die Trompe lediglich als Signalinstrument für die Jagd betrachtet wird, mit dem vorgeschriebene Signale nur solistisch und „fortissimo“ vorgetragen werden.

Die „Trompe radouci“ wird vom ultraorthodoxen Kreis der Parforce-Jäger gänzlich abgelehnt. Sie steht sozusagen nicht auf dem Lehrplan Dennoch wird sie mehr und mehr angenommen und eingesetzt, sei es in großen Fantasien, in Hubertusmessen oder bei Konzerten im Zusammenspiel mit Orgel, Piano, Chor, Kammerorchester oder anderen interessanten musikalischen Kombinationen. In ihrem Gefühlsausdruck, ihrer Noblesse und ihren überraschenden Klangfarben kommt sie der menschlichen Stimme gleich. Mehrheitlich werden die Radouci-Parts von Musikern und nicht von Jägern vorgetragen!

Dieses Phänomen ist verständlich, da für den Parforcejäger die Trompe in der Rangfolge der für die Jagd wichtigen Hilfsmittel erst an dritter Stelle steht. Das erste Interesse gilt den Meutehunden, sodann ihrem Pferd und der eigenen prächtigen Ausstattung. Im Rahmen des Protokolls, einer Art ethischen Standesgesetzes, welches die Konvention der Parforcejagd beherrscht, begleitet von einem „Gentlemen-Agreement“, ist die Trompe nur ein Teil des Ganzen. Mit den Jagdsignalen bleibt die Trompe bei der Parforcejagd lediglich ein Werkzeug des Rituals, was die Form und die beschränkte Anzahl der Stücke angeht Im Zusammenhang mit der Jagd kommt die Trompe “Radouci“ nur sehr selten m Vortragsstücken vor oder nach der Jagd zum Einsatz.

Die Geschichte der letzten 60 Jahre zeigt, dass es fast keine Gruppen gibt, die nach musikalischen Kriterien strukturiert sind. Folglich wird der „Radouci“ vernachlässigt, paradoxerweise dort, wo die meisten Bläser zu finden sind: auf der Parforcejagd. Man versteht jetzt die Gründe.

2013 zählte die Société de Vénerie ungefähr 480 Parforcejagd-Equipagen mit etwa 6000 – 7000 potentiellen Bläsern‚ die diese Jagdform aktiv ausüben. Parallel hierzu gibt es schätzungsweise 450 Bläsergruppen die zwar eine gute Freundschaft mit den Equipagen pflegen, jedoch von diesen absolut unabhängig sind Gekleidet wie Parforcejäger, verherrlichen sie mit ihrer Musik die Kunst allen Waidwerks. Einige wenige Gruppen weigern sich ausdrücklich, im Umfeld der Parforcejagd aufzutreten, obgleich sie wie die Parforcejäger gekleidet sind. Das überrascht.

Eine andere Besonderheit betrifft Gruppen, die ihr Hauptaugenmerk darauf richten, die Musik der Trompe-Ensembles zu verändern und auf „Hochglanz“ zu bringen. Die Interpretation dieser Gruppen unterscheidet sich in Ausdruck, Klangfarbe, Rhythmus etc. sowie der individuellen und kollektiven Virtuosität beträchtlich von der mit dem alleinigen „starken“ und „rauen ‘Ton, wie er von einem Großteil der Veneure geschätzt wird.

Starke gegensätzliche Kräfte und Meinungen versuchen, die Trompe-Radouci zu verdrängen, deren Verwandtschaft zum Naturhorn, wenn auch in einer besonderen Form „gezähmt“‚ man anerkennen sollte.

Das Ziel der Entwicklung ist eine Erweiterung der Trompemusik im Allgemeinen. Zu den zahlreichen Musikstücken des 18. Jh. fügen sich mehrere zeitgenössische‚ bezüglich Umfang und Komplexität oft bedeutende Werke Kein Musiker würde die Quelle seines Kulturerbes weder falsch wiedergeben noch schlecht reden, wie es derzeit die Veneure trotz ihrer 300-ährigen Geschichte fortgesetzt tun.

Ab der Zweistimmigkeit ist Jagdmusik wirkliche Musik und muss deren Regeln folgen.

 


Der Zugang zur Virtuosität

Die Virtuosität auf der Trompe ist eine Frage des Geschmacks, manchmal auch der Mode. Sie ist notwendigerweise Ausdruck einer erworbenen Bildung, einer hoch entwickelten Aufnahmefähigkeit und einer sicheren Beherrschung des Instruments.

Chauvinismus und selbstgerechter Stolz können an eine spontane Virtuosität glauben lassen. Es sind augenscheinlich diejenigen welche durch den Anschein zu wissen glauben, aber… die Wirklichkeit ist eine ganz andere. Virtuosität ist gekennzeichnet durch beständige Leistung sowohl in Hinsicht auf Schwierigkeit und Dauer.
Der Radouci erfordert die Vortragsweise „dolce“ mit all den großartigen Möglichkeiten der Ausdrucksvielfalt (der musikalischen Sprache). In den großen Fantasien bildet der Radouci einen Kontrast zu „fortissimo“ und „mezzoforte“ und bringt diese damit stärker zur Geltung. Es ist das Register des Instruments, welches das größte Können erfordert.
Der Vortrag kann langsam oder schnell sein, sehr leise oder nuanciert, staccato oder legato, traurig oder fröhlich, sehr hoch oder tief, gedämpft oder schmetternd, voller Tatkraft oder leidend, mit oder ohne Rubato

Ohne Zweifel ist die Virtuosität eine gekonnte Mischung all dieser Fähigkeiten, der zu Folge der Interpret mit seiner Sensibilität das Werk verstehen und den Vorgaben des Komponisten entsprechend interpretieren kann. Sie stellt auch große Anforderungen an die Aufmerksamkeit. Durch gleichzeitiges Hören des Wiedergegebenen spielt der Bläser der ersten Stimme das Grundthema und weiß das Thema dominierend mit den Begleitstimmen in Einklang zu bringen.

Es muss wirken, wie aus einem Guss.

Für jeden der Interpreten der „Radouci-Gruppe“ ist ein gewisses musikalisches Können erforderlich, um mit Hilfe verschiedener angepasster Techniken eine wohlempfundene Stimmung entstehen zu lassen.

Ist das nicht der Fall, dann fehlt dem persönlichen und gemeinsamen Ausdruck die Tiefe. Häufig erleben wir, dass eine zuvor von anderen Gruppen vorgetragene Version eines Stückes nachgespielt wird. Dann entsteht aber nichts als eine blasse Kopie, die immer unvollkommen sein wird und der jede Tiefe des Gefühls fehlt. Die Wirkung ist vom Zufall abhängig, weil nicht verstanden und nicht persönlich erlebt.

 


Trompe und Orgel

Die Orgel an und für sich ist schon ein ganzes Orchester. Dennoch ist ihre Dynamik sehr relativ. Es ist ein Privileg, die Orgel mit der Trompe begleiten zu dürfen„ Aber es birgt auch Risiken und Schwächen in sich.

  • Die Grundstimmung des Instruments: Manche der Orgeln haben nicht mehr die Originalstimmung und sind mit der Frequenz der Trompe von 440 Hz nicht kompatibel.
  • Während die Orgel ihre Grundtonalität beibehält, variiert die der Trompe. Ist sie kalt, klingt sie tiefer, wenn sie genügend lang gespielt wird, steigt die mittlere Tonhöhe unter dem Einfluss der warmen Atemluft. Das bedeutet für den Bläser, dass er ständig seine Stimmung an die der Orgel anpassen muss.
  • Ein Natur- Blechblasinstrument hat auf seiner Skala einige Töne, die nicht der „wohltemperierten Stimmung“ entsprechen. (siehe vorne). Der Bläser kann nun entweder die nicht temperierten Töne anpassen oder die „Naturtöne“ beibehalten. Im zweiten Falle muss er die vorangegangene Note etwas höher oder tiefer anblasen, um so die Diskrepanz der natürlicherweise ungenauen Intervalle zu begrenzen. Diese Technik erwirbt man nach langer Praxis.
  • Der Trompe-Bläser spielt die Noten, die er liest. Gleichzeitig hört er das gemeinsame Ergebnis. In einer Art Spiel wechselseitiger Beziehung wird er Partner des Organisten. Diese geistige Übereinstimmung überträgt sich über kurz oder lang auf das Werk.
  • Wenn das Stück für die Trompe gestopfte Töne enthält, dann ist die Verständlichkeit der Melodie gefährdet durch die Schwierigkeiten mit der Tonmodulation. Ein gestopfter Ton verliert einen großen Teil seines Klangvolumens im Vergleich zum offenen Ton. Daher empfiehlt es sich, nachdem man den vorangegangenen offenen Ton schwächer angeblasen hat, den gestopften Ton stärker anzublasen um dann den nachfolgenden offenen Ton wieder zu dämpfen. Diese Übung erfordert ziemlich viel Feingefühl, aber auf lange Sicht wird sie zum Reflex.
  • Die mit dem Instrument Trompe aus der Familie der Naturhörner erzeugten Intervalle sind mehr oder weniger korrekt. Die Ursachen sind vielfältig:
    o Die Qualität des Natur-Instruments.
    o Die Nachlässigkeit des Bläsers und/oder dessen unzureichendes Gehör oder auch seine mangelhaften technischen Fähigkeiten.
    o Ein Zufallsprodukt des Instrumentenbauers etc....
  • Beim Zusammenspiel mit der Orgel ist es unverzichtbar, den Rhythmus genau einzuhalten, auf Reinheit und Präzision der Töne zu achten und das Volumen der Trompe der jeweiligen vom Organisten gewählten Registrierung anzupassen.
  • Die Klangprojektion der Orgel unterscheidet sich im Allgemeinen gegenüber der Trompe. Erstere verbreitet sich gleichmäßig im Raum, während die Trompe ihn sehr direkt durchdringt. Es ist wichtig, diesem Umstand Rechnung zu tragen.

Bekannte Bläser und Solisten, die sich auf diese Disziplin eingelassen hatten, hörten oft nicht, dass die Intonation ihrer Darbietung nicht stimmt. Die Orgel irrt sich nie. Bei konstanter Temperatur sind ihre Töne und Intervalle von zweifelsfrei richtiger Stimmung.

 


Aufführungspraxis dargestellt in neuzeitlichen Werken

Es geht nicht um Leistung der Leistung willen. Wenn in den 50-iger Jahren der Radouci ausschließlich als Trio vorgetragen wurde (erste Stimme, zweite Stimme, Bass) angeführt von einem „Maitre en Chant“, wurde er in seiner Ganzheitlichkeit gesehen. Inzwischen ist diese alleinige Möglichkeit der Aufführungspraxis, nach Überwindung einiger Hindernisse, jedoch überholt.

Heute stehen wir am Anfang einer Trompe-Musik, in welcher Dialog, Tempowechsel, Erweiterung der Stimmen, vielfältige Nuancen, Harmoniewechsel, verschiedene Klangfarbe, der Gebrauch anderer Rhythmen als den 6/8 Takt und vielfältige Formen der Artikulation mehr an Bedeutung gewinnen gegenüber formelhaften Vorschriften.

Die Bläsergruppen im Ausland, in Österreich oder Deutschland spielen zwar in einer anderen Tonart als in der der französischen Trompe, aber sie beachten genau die musikalischen Regeln bezüglich der Rhythmik, der Nuancierung, der Reinheit der Akkorde und des Klanges etc....

Hierfür gibt es mehrere gute Gründe. In erster Linie ist hier die Zusammensetzung der Gruppen zu nennen, in der oft ausgebildete Musiker mitwirken. Nicht selten trifft man in diesen Gruppen Musiklehrer, die andere Instrumente spielen und lehren. Ebenso findet man unter den 35.000 deutschen Bläsern nicht selten ganze Familien, die nebenbei auch mehrere andere Instrumente spielen (Flöte. Oboe, Klarinette, Orgel, Piano...)

Es ist kein Geheimnis: Kenntnisse und musikalische Bildung fördern das Niveau der jeweiligen Musik-Sparten. Es wäre von großem Nutzen, wenn jeder Adept der Trompe davon Kenntnis nehmen würde, welche mit Fallstricken übersäten Irrwege der berühmteste Trompe-Musiker des vorigen Jahrhunderts, Herr Gruyer mit Vornamen Tyndare, bei seinem Gang durch die Höllen, durchschreiten musste Wir, die Bläser, sind leider alle Träger des Keimes schuldhafter Dummheit! Nach meiner Überzeuge halte ich eine Entwicklung, wie zuvor beschrieben, für einen notwendigen und unvermeidlichen Schritt, um sozusagen mit einem „Nouveau Départ“ ein Zeichen zu setzen:

  • Um die ständige Monotonie der D-Dur-Tonart zu durchbrechen, könnte man von Dur nach Moll wechseln.
  • Um die eintönige Musik etwas lebendiger zu gestalten, könnte man alle Register (verschiedene Tonlagen, Taktwechsel) für einen dynamischen Dialog in Anwendung bringen.
  • Um der Gleichförmigkeit des vorgegebenen Grundthemas zu begegnen, kann man ein rubato, ein accelerando, ein rallentissimo in Anwendung bringen und so die allzu mechanische und steife Wiedergabe überwinden.
  • Es ist vernünftig, langsame und gesetzte Themen lebendigen und schnellen gegenüber zu stellen. Es ist auch interessant ein Glockenspiel einzufügen. (mit den verschiedenen Anstoßarten).
  • Man kann die Erweiterung der Melodik im allgemein dadurch fördern, indem man das Schema der homophon genannten (parallel verlaufende) Begleitstimmen verlässt und gestopfte Töne in der Bass-Stimme einfügt.

Um das Ohr zu erfreuen und die Sinne anzuregen, ist das Risiko letztlich bedeutungslos. Schließen wir mit einem Zitat von d’Alembert, - für Missverständnisse bitte ich um Verzeihung

„Musik, die nichts aussagt, ist nichts als Lärm"

 


Nachwort

Zwischen 1870 und 1940 zählte man in Frankreich hunderte von Trompe-Gruppen, die von einem Dirigenten mit Taktstock geleitet wurden. Alle Musiker spielten nach Noten, die mit kleinen Haltern an der Trompe befestigt waren. Mit Walzer, Polka, Marsch, Mazurka und sonstiger Tanz-Musik, aber auch mit großen Jagdstücken, konnte man überall tausende Zuhörer aus allen Schichten erreichen.

Die Kompositionen entsprachen dem Anlass. Manche gelten bis heute als Hauptwerke. Sie hatten einen festlichen Charakter und die Interpreten spielten die 32tel Noten der Trompete ebenso gut wie den pompösen 4/4-Takt, oder ein Jagdstück im „Barockstil“. All das scheint in die Museen verbannt werden zu sein, weil heutzutage der Ton de Vénerie die alles bestimmende Regel darstellt, und damit hat die Einfallslosigkeit Einzug gehalten.

Manches mag in meinen fachlichen Erläuterungen ungewöhnlich sein, aber ich wollte auf die seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Laufe der Zeit erfolgten Veränderungen in der Qualität, über welche die früheren Trompe-Musiker bis 1940 verfügten, hinweisen.

Ich halte eine Erneuerung für notwendig, so wie die bedauernswerte Hausfrau, welche die Scherben einer edlen Fayence-Vase zusammenklebt, um der Nachwelt ein schönes Kunstwerk zu hinterlassen.

Hubert Heinrich - Übersetzung : Anne Greisl und Ferdinand Rosenberg


 


Die Trompe-Musik von der Mitte des 19. Jhdts. bis heute

Es versteht sich, dass wir über das Instrument in der Stimmung „D“ sprechen, dessen Verwendung historisch gesehen in Frankreich, Belgien, in geringem Umfang auch in der Schweiz Deutschland ‚Österreich, Luxemburg und den Niederlanden gebräuchlich ist.

Mitte des 19. Jh. haben die Trompe-Musiker bezüglich ihres Repertoires und der Spieltechnik eine bedeutende Veränderung bewirkt. Die neu geschaffenen Fanfaren wie la Caléche des Dames (um 1835), la Marche de Vénerie (Thiberge 1848), le Nouveau Départ (urn 1860), les Adieux des Maitres (Delors 1860), les Honneurs (Tellier, 1842) sowie verschiedene Tier-Fanfaren, haben offenkundig dazu beigetragen, die Parforcejagd-Musikszene zu bereichern. Sie haben die zuvor beschränkte Liste der Tier- und Situationsfanfaren vervollständigt. Diese werden heute noch geblasen.

In dieser Periode kam es auch zu einer enormen Vermehrung von Fanfaren für Maitres (Master) und Veneure (Parforcejäger) sowie Fanfaren, die bestimmten Personen gewidmeten waren. Der Musikwissenschaftler und Sonneur (Trompe-de-Chasse-Bläser) Jaques Poncet schreibt: Vers 1850, une bonne vingtaine de sonnefies serilement servent durant lhction de la chasse. Toutesfanfares confondues, leur nombre serait de l’ordre de 300 au milieu du 1 9° siécle pour passer ci 3000 a‘ lafin du méme siécle.’ (um 1850 gab es lediglich etwa 20 Fanfaren, die dem Jagdverlauf dienten. Nun entstand eine verwirrende Anzahl von Fanfaren; waren es um die Mitte des 19. Jh. Noch 300, so zählte man an dessen Ende schon 3000.)

Die erste Hubertus-Messe wurde von den Musikern im Duo aufgeführt (Estival 1848). Es folgten die von Tellier, Obry, Cantin, Sombrun und Gruyer, um die wesentlichsten zu nennen . Der Radouci, eine langsame, ausdrucksvolle und leise Spieltechnik, gewann zunehmend Raum. Vermehrt kamen auch der Bass und gestopfte Töne in Gebrauch. Wohl bemerkt: Nicht bei der Jagd! Hier durfte ausschließlich Solo und in fortissimo geblasen werden.

Die ersten Trompe-Lehrer tauchten in der 2. Hälfte des 19. Jh. auf. Oft waren es Professoren für Horn in den Konservatorien. Zugleich entstanden auch methodische Trompe-Schulen mit Darstellung der Noten und Tonleiter, wie sie der Besonderheit des Instrumentes entsprachen, sowie eine Aufzählung der bei der Jagd gebräuchlichen Ausdrücke usw. Zu nennen sind hier die Schulen von Raoulx (1841), de Gromard (1843), Willemann und Thiberge (um1848), Frontier (1870), Sombrun (1888) usw.

Es muss aber auch erwähnt werden, dass es schon früher Trompe-Schulen gab:
J.F. Vergnaud, Antoine Rousset, Eugenio Roy im 19. Jh., Othon van den Broeck im 18. Jh.‚ Bendinelli Cesare im 17. Jh., von Creschentis im 16. Jh.. Die erstaunlichste Trompe-Schule ist die von Girolamo Fantini da Spoleti, erschienen 1638 unter dem Titel Méthode pour apprendre de la trompe tant à la guerre que musicalement avec l'orgue, la trompe radouci, clavecin et autres instruments (Methode zum Erlernen der Trompe sowohl für den Gebrauch im Kriege als auch musikalisch mit der Orgel, und Radouci auch mit Cembalo und anderen Instrumenten).

Die Natur des Menschen hat das Bedürfnis, sich mit anderen zu messen. Aus diesem Bestreben sind zunächst regionale Wettbewerbe entstanden und später, seit 1880, auf Initiative der Société Canine von Paris (kynologische Gesellschaft, die sich der Zucht von Meutehunden widmete) auch nationale Wettbewerbe. Une Soirée à Cour Ballée (Ein Abend am Cour Ballée), komponiert vom Hauptmann der Militärmusik G. Carbonnier zu Ende des 19. Jh. ist ein hervorragendes Beispiel für Werke dieser Epoche. Der Wettkampf­gedanke war sehr stark ausgeprägt, besonders bei großen Ensembles, die unter Leitung eines Dirigenten mit Taktstock große Fantasien aufführten.

Die Aufstellung in V-Form kam erst viel später auf. Die exakte Zahl der bestehenden Gruppen wurde nie festgehalten. Bis in die letzten Winkel des Landes hatten sich Gruppen formiert, selbst in Regionen, wo die Parforcejagd nicht gebräuchlich war.

An dieser Stelle sei auch auf die bevorzugte Verwendung der Trompe in aristokratischen Kreisen verwiesen, und auch darauf, dass viele Regimenter eigene Trompe-Gruppen hatten.

Das Zeitalter der Romantik hat uns zahlreiche Trinklieder und frivole Lieder hinterlassen, die unter dem Deckmantel der Jagd-Arien firmierten. Sehr bekannt ist 80 chasseurs de la Marquise (Die 80 Jäger der Marquise), um eines zu nennen.

Mit zunehmender Verbreitung wurde diese Musik auch immer populärer. Ottorino Respighi (1879-1936) bediente sich ihrer in einer Symphonischen Dichtung. Charles Koechlin (1867-1950) komponierte mehrere dutzend Trias und Quartette für die Trompe. Johannes Brahms (1833-1897) erfreute damals eine österreichische Parforcehorn-Gruppe (Lainzer Jagdmusik) mit seiner Präsenz als Bläser. Der belgische Komponist Jaques Nicolas Lemmens (1823-1881) schuf ein großes Orgelwerk mit dem Titel Fanfare. Sie alle haben den Charakter des Naturhorns ebenso geschätzt und respektiert wie ihre Vorgänger Georg Philipp Telemann, Jean Joseph Mouret, Johann Sebastian Bach, Joseph Haydn, Leopold Mozart, Gioacchino Rossini und auch Karl Maria von Weber u.v.m.

Anfang des 20. Jh. begeisterten sich immer mehr Bläser der volkstümlichen Musik für die Trompe. Immer noch begegnen uns Polkas, Mazurkas, Walzer und Märsche. Die zahlreichen Jagdfeste jeder Art, sei es Parforce- oder der Schießjagd oder Bälle auf dem Lande werden von Horn-Quartetten (z. B: das berühmte Horn Quartett der Gebrüder Rochard) oder großen Ensembles belebt.

Auf dem Gebiet der Parforcejagd beobachten wir eine allmähliche Uniformierung des Ton de Vénerie (starke Betonung des Tayaut und des Vibratos) Dennoch lassen sehr wohl einige Musiker dabei die Qualität einer wohlklingenden Trompe und deren unvergleichlichen Reichtum an Klangfarben, wie sie unter Musikern auch von allen Holz- und Blech-Bläsern angestrebt wird, nicht vermissen.

Unglücklicherweise sind diese allmählichen Veränderungen mit historisch bedeutsamen Folgen verbunden:

  • In der Barockzeit wurde noch sehr zurückhaltend ein Pralltriller mit den Lippen gespielt. Erst im Laufe des 20. Jh. fand das heutige Tayaut, das mit der Zunge gespielt werden muss (sifflé= pfeifend), Anwendung. Dies wird leider eingestetzt, wo immer es möglich erscheint.
  • Das Verschwinden des Tons der Normandie, des Tons von Poitou, des Tons der Gascogne und andere. Das ist ein bedauerlicher negativer Aspekt der Wettbewerbe.
  • Die Vereinfachung der zweiten Stimme. Gegenwärtig verläuft sie ausschließlich parallel unter der Linie des cantus firmus.
  • Das verlorene Wissen um die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten der historischen Trompe, insbesondere der klassischen Trompe des 18.1h. und der romantischen Trompe des 19. Jh.
  • Die Verkürzung mancher Fanfaren, um diese auf drei Phrasen zu beschränken. (z.B.: le Lancè, le Débuché, le Loup, le Renard, le Chevreuil....).
  • Die kreative Armut der Fanfaren ohne deren potentielle Ausdrucksmöglichkeiten bezüglich Struktur und Umfang, verleihen diesen, aus Sicht eines unbefangenen Zuhörers, den Charakter ständiger „Wiederholung“.

Die Herren Tyndare Gruyere, später Anthelme Devert, sowie andere couragierte Musiker kreierten die „Trompe enchantée“ begleitet von der Orgel, dem Piano, solistischem Gesang oder einem gemischten Chor. Seit den 30-iger Jahren des 20. h. stellen sich die Formationen mit Dirigent und Taktstock zunehmend in V-Form ohne Dirigent auf, die bis heute von allen übernommen wurde. Übrigens gibt es hierfür keine wirkliche akustische Rechtfertigung.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Ton de Vénerie der ausschließliche Weg. Die Gebrüder Pigeat und danach auch die Belgische Schule fordern einen ausschließlich sehr starken Ton.

Im Gegensatz schrieb Sombrun schon 1888: C’est incontestablement Mr Pettex Mufiat, successeur de Franpois Périnet, 31 rue Caperm'c ä Paris, qui est le meilleurfacteur oufabricant de trompes de chasse: il sufit de lm' indiquer laforce physique d’un éléve pour qu’ilfourm'sse l’instrument qui convient d son tempérament. Nous devons méme une mention particuliére a‘ ses excellentes trompes en mi b avec ton de Ré, qui permettent de jouer avec orchestre. Ces trompes a‘ deuxfins sont recommandables par leur justesse dans chaque ton et peuvent étre avantageusement employe'es dans les musiques militaires ou les nombreuses sociétés civiles _c_ie_sonneurs qui jouent avec des fanfares ou des harmonies. (unbestreitbar ist Herr Pettex Muffat‚ Nachfolger von Francois Périnet, Paris, Copernic-Strasse 31, der beste Hersteller oder Fabrikant von Trompes de Chasse:
Es genügt ihm die physische Stärke eines Schülers zu beschreiben und er wird das zu seinen Fähigkeiten (Temperament, Persönlichkeit) passende Instrument bauen. Besonders müssen wir seine ausgezeichneten Hörner in Es mit einem Wechselbogen in D erwähnen, mit welchen das Zusammenspiel mit einem Orchester ermöglicht wird. Diese Hörner mit zwei Stimmungen sind wegen der Reinheit beider Tonarten empfehlenswert und können vorteilhaft bei der Militärmusik oder auch bei den zahlreichen zivilen Gruppierungen, die sowohl Fanfaren als auch Musikstücke spielen, eingesetzt werden).

So waren wir zu dieser Zeit weit entfernt von der Praxis des ausschließlich sehr starken Tons.

Zweifelsohne war die sehr schnelle Einführung der V-Form eine Konsequenz der Evolution der Gesellschaft‚ der des Brauchtums und der Art und Weise zu kommunizieren. Eine weitere Folge zeigte sich in einem außergewöhnlichen Phänomen: Das Auftreten in der eleganten Kleidung des Parforce-Jägers. Mit Stiefeln, Reitkappe, Reitrock, Trompe und Nachahmung wird man zum Herrn.

Um1865 gelangte mit der Wiederbelebung historischer Instrumente die Barockmusik zu neuer Blüte. Das Orchester Jean Francois Paillard und die Rallye Louvart von Paris schlugen die schönsten Seiten der Musikgeschichte auf, indem sie die alten Musikstücke von Lully, Corette, Morin, Mouret, Delalande, Teleman, usw. bevorzugt zur Aufführung brachten. Marie Claire Alain und die Rallye Louvart produzierten eine großartige Hubertus-Messe für Trompe und Orgel. Sie wurde komponiert von Estival und später von Cantin, Obry und anderen arrangiert, nachdem der Schutz des geistigen Eigentums abgelaufen war.

Geblieben ist uns heute nur eine fest vorgegebene Stilrichtung. Der Ton de Vénerie ist zur Regel geworden, der Radouci als Aufführungsvariante wird von den Parforce-Jägern kaum zugestanden. Man zählt heute hunderte von Fantasien (Aufführungsdauer zwischen 3 und 6 Minuten), sowie ungefähr 30 Hubertusmessen. Man spricht von mehr als zehntausend Fanfaren‚ die dem Fanfarenmuster entsprechen, d.h. aus sechs Phrasen und etwa einer Minute Aufführungsdauer bestehen, und bestimmten Personen gewidmet sind. In ganz Frankreich und auch in angrenzenden Ländern praktizieren so viele Bläser die Trompe in D, wie es Fanfaren gibt. Die zahlreichen Träger der prächtigen Uniformen sind in etwa 450 Bläsergruppen zu je 6 - 15 aktiven Bläsern vereinigt. Eine zunehmende Präsenz der Trompe findet man auch in Regionen, in welchen die Parforcejagd nicht praktiziert wird. In diesem Zusammenhang muss man die Zunahme der Jagd mit Laufhunden auch außerhalb der Parforcejagd berücksichtigen. Um ein Beispiel zu nennen: In den Jahren 1970-80 hatte Straßburg 8 Bläsergruppen, im gesamten Elsass (dort gab es noch nie die Parforcejagd) sind es heute in einem regionalen Verband 18 Gruppen.

Immer mehr Musiker wagen es heutzutage, die Musik für Trompe und Orchester oder andere Klangkörper (Chor, Klavier etc.) wieder zu beleben. Francis Paul Demillac, 1917 als Kind russischer Emigranten eingewandert, niedergelassen in St. Etienne , hat 7 „Suiten für vier Trompes de Chasse und Orgel“ geschrieben und später für Kammerorchester transkribiert.

Neben zwei Hubertus-Messen habe ich zusammen mit dem international renommierten Komponisten Pierre Thilloy das Requiem á la Licorne (Requiems für ein Einhorn), ein Pferde-Ballett in fünf Bildern, komponiert. Des Weiteren habe ich an der Komposition zweier Konzerte für Trompe und Kammerorchester mitgearbeitet. Eines mit dem Co-Dirigenten des Orchesters de La Musique de l´Air ´á Paris Benjamin Garcia, das andere mit dem Hornisten, Chor-Leiter und Direktor des Konservatoriums Nicolas Avinée. Außerdem habe ich mit mehreren Organisten bei zahlreichen Stücken für Trompe und Orgel mitgewirkt, sowie bei Stücken für Trompe und gemischtem Chor etc. in Frankreich und im Ausland.

In diesem Zusammenhang sei auch Sylvain Oudot erwähnt mit seinen Sonatinen und Concertinos für Trompe und Kammerorchester sowie seinen Stücken für Trompe und Orgel. Zu nennen wären auch noch weitere Komponisten, denen das große Verdienst zukommt, der Trompe den Charakter eines authentischen Musikinstrumentes gegeben zu haben (sie mögen mir verzeihen, dass ich nicht alle zitieren kann).

Ein Beispiel kreativer Dynamik: 1990 wurde auf Anregung von Frau Elisabeth Wilson, Co-Organistin der Kathedrale, das ganze Konservatorium von Mans aktiv. Vier Musik-Professoren komponierten jeweils ein großes Werk für Trompe und Orgel, die alle in der vollbesetzten Kathedrale aufgeführt wurden.

Wir genießen die konzertante Trompe-Musik im Konzert, bei der Aufführung, im Wettbewerb, bei Tonaufnahmen, auf der Rennbahn in Parks, am Sockel eines Denkmals, in Gestüten, Schlössern, Klöstern, Museen, in Kirchen und Kathedralen. Die Stimmung der Parforcejagd erfahren wir durch Jagdsignale und Jagdfanfaren im Wald.

All das macht die außergewöhnliche Vielfalt der Trompe aus: Auf der einen Seite sind die Parforcejäger, Akteure einer mehrere Jahrhunderte alten Tradition, denen das Fortbestehen der Trompe de Chasse im Zusammenhang mit der Jagd geschuldet ist. Auf der anderen Seite sehen wir Musiker, oftmals keine Jäger, die für sehr viele Zuhörer diesem Instrument den authentischen barocken Glanz verleihen.

Hubert Heinrich 09/2013

Übersetzung : Anne Greisl und Ferdinand Rosenberg

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