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Download this file (Trompe enchantee.pdf)Vorwort von Trompe enchantee[ ]2229 kB

Allgemeines Konzept der Struktur einer Gruppe

Im allgemeinen Sinne kann man von einer Gruppe sprechen, wenn diese aus mindestens sechs Bläsern besteht. Häufiger bestehen die guten Gruppen aus acht bis zwölf Bläsern, manchmal auch mehr. Dies bringt aber keinen wirklichen Vorteil. Üblicherweise wird eine Gruppe wie folgt zusammengestellt:

  • 4 erste Stimmen (Chant)
  • 3 zweite Stimmen
  • 1 dritte Stimme
  • 2 Bässe
  • 1 erste Stimme oder ein Duo speziell für „Radou“

Die erste und zweite Stimme Radouci kommt den Spezialisten auf diesem Gebiet zu, auf jeden Fall denen, die über die größten Fähigkeiten verfügen diese teilweise schwierigen Partien sensibel und gut zu blasen. Das Duo als Basis der Melodie, wird von einer Bass-Stimme begleitet, sowie von einer bis zu drei weiteren Stimmen, die auch „füllende“ Stimmen genannt werden.

In Frankreich gibt es vielleicht 12 000 Trompebläser sehr unterschiedlichen Niveaus. Weniger als 200 wagen es, sich mit der Sparte Radouci auseinanderzusetzen und lediglich eine Handvoll sind wirkliche Virtuosen.

Das Thema Radouci wird auch deshalb vernachlässigt, weil die Trompe lediglich als Signalinstrument für die Jagd betrachtet wird, mit dem vorgeschriebene Signale nur solistisch und „fortissimo“ vorgetragen werden.

Die „Trompe radouci“ wird vom ultraorthodoxen Kreis der Parforce-Jäger gänzlich abgelehnt. Sie steht sozusagen nicht auf dem Lehrplan Dennoch wird sie mehr und mehr angenommen und eingesetzt, sei es in großen Fantasien, in Hubertusmessen oder bei Konzerten im Zusammenspiel mit Orgel, Piano, Chor, Kammerorchester oder anderen interessanten musikalischen Kombinationen. In ihrem Gefühlsausdruck, ihrer Noblesse und ihren überraschenden Klangfarben kommt sie der menschlichen Stimme gleich. Mehrheitlich werden die Radouci-Parts von Musikern und nicht von Jägern vorgetragen!

Dieses Phänomen ist verständlich, da für den Parforcejäger die Trompe in der Rangfolge der für die Jagd wichtigen Hilfsmittel erst an dritter Stelle steht. Das erste Interesse gilt den Meutehunden, sodann ihrem Pferd und der eigenen prächtigen Ausstattung. Im Rahmen des Protokolls, einer Art ethischen Standesgesetzes, welches die Konvention der Parforcejagd beherrscht, begleitet von einem „Gentlemen-Agreement“, ist die Trompe nur ein Teil des Ganzen. Mit den Jagdsignalen bleibt die Trompe bei der Parforcejagd lediglich ein Werkzeug des Rituals, was die Form und die beschränkte Anzahl der Stücke angeht Im Zusammenhang mit der Jagd kommt die Trompe “Radouci“ nur sehr selten m Vortragsstücken vor oder nach der Jagd zum Einsatz.

Die Geschichte der letzten 60 Jahre zeigt, dass es fast keine Gruppen gibt, die nach musikalischen Kriterien strukturiert sind. Folglich wird der „Radouci“ vernachlässigt, paradoxerweise dort, wo die meisten Bläser zu finden sind: auf der Parforcejagd. Man versteht jetzt die Gründe.

2013 zählte die Société de Vénerie ungefähr 480 Parforcejagd-Equipagen mit etwa 6000 – 7000 potentiellen Bläsern‚ die diese Jagdform aktiv ausüben. Parallel hierzu gibt es schätzungsweise 450 Bläsergruppen die zwar eine gute Freundschaft mit den Equipagen pflegen, jedoch von diesen absolut unabhängig sind Gekleidet wie Parforcejäger, verherrlichen sie mit ihrer Musik die Kunst allen Waidwerks. Einige wenige Gruppen weigern sich ausdrücklich, im Umfeld der Parforcejagd aufzutreten, obgleich sie wie die Parforcejäger gekleidet sind. Das überrascht.

Eine andere Besonderheit betrifft Gruppen, die ihr Hauptaugenmerk darauf richten, die Musik der Trompe-Ensembles zu verändern und auf „Hochglanz“ zu bringen. Die Interpretation dieser Gruppen unterscheidet sich in Ausdruck, Klangfarbe, Rhythmus etc. sowie der individuellen und kollektiven Virtuosität beträchtlich von der mit dem alleinigen „starken“ und „rauen ‘Ton, wie er von einem Großteil der Veneure geschätzt wird.

Starke gegensätzliche Kräfte und Meinungen versuchen, die Trompe-Radouci zu verdrängen, deren Verwandtschaft zum Naturhorn, wenn auch in einer besonderen Form „gezähmt“‚ man anerkennen sollte.

Das Ziel der Entwicklung ist eine Erweiterung der Trompemusik im Allgemeinen. Zu den zahlreichen Musikstücken des 18. Jh. fügen sich mehrere zeitgenössische‚ bezüglich Umfang und Komplexität oft bedeutende Werke Kein Musiker würde die Quelle seines Kulturerbes weder falsch wiedergeben noch schlecht reden, wie es derzeit die Veneure trotz ihrer 300-ährigen Geschichte fortgesetzt tun.

Ab der Zweistimmigkeit ist Jagdmusik wirkliche Musik und muss deren Regeln folgen.

 

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